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Gute Pute?

Hinter den Kulissen der Geflügelindustrie

ZDFzoom, 2020, 30 Minuten

Seit ein paar Jahren sinkt unser Fleischkonsum. Nicht jedoch der von Pute. Geflügelwiener sind DER Snack für quengelnde Kleinkinder, das Putenschnitzel ist die preiswerte Alternative zu Kalb. Dabei ist Putenfleisch das Fleisch, von dem wir Verbraucher besser die Finger lassen sollten… nicht nur mit Blick aufs Tierwohl: In einer Stichprobe findet ZDF Zoom auf fast zwei Drittel der konventionellen und auf einem Viertel der Bio-Putenfleischproben antibiotika-resistente Keime.

Kupierte Schnäbel, Fehlstellungen der Beine, intensiver Antibiotika-Einsatz… Alltag, selbst in Vorzeigeställen. Dabei ist gerade das Kürzen der Schnäbel im Tierschutzgesetz als Amputation eigentlich verboten und nur mit Sondergenehmigung möglich – doch die wird routinemäßig erteilt.

Für ZDFzoom gelingt uns ein Blick hinter die Kulissen einer Industrie, wo Putenküken Lizenzprodukte aus dem Zuchtprogramm zweier international operierender Konzerne sind, auf Höchstleistung getrimmt. Auch Bioputen stammen oft aus diesen Genetik-Fabriken. 24 Kilogramm Schlachtgewicht in 22 Wochen Lebenszeit schafft ein konventioneller Mastputer. Zweieinhalb der großen Tiere teilen sich am Ende der Mast einen Quadratmeter Stallfläche. Dieses System verursacht viele Probleme – für die Gesundheit der Tiere, aber auch für die von uns Menschen.

Denn laut Monitoring der Bundesregierung werden in der Putenmast besonders großflächig Antibiotika eingesetzt. Trotz der Forderung, mit Blick auf die zunehmenden Resistenzen deren Einsatz zu verringern, gelingt das bei Puten kaum – die hochgezüchteten Fleischlieferanten neigen zu Darmproblemen und Durchfall. Erkrankt ein Tier in einem typischen Stall, müssen mehrere tausend Tiere auf einmal behandelt werden. Mikrobiologin Professor Katarina Schaufler von der Uni Greifswald hat für ZDFzoom 63 Putenfleischproben auf resistente Keime untersucht. Mit erschreckenden Resultaten: auf 62 Prozent der konventionellen Proben gab es antibiotika-resistente Keime, bei Bio-Puten waren es immer noch 25 Prozent. Mehr als ein Drittel aller Proben war mit Keimen belastet, die auch gegen so genannte Reserveantibiotika resistent sind – Medikamente, die eigentlich schwerstkranken Menschen vorbehalten sein sollten.