ZDFzoom: Psyche in Not

Das lange Warten auf Therapie

ZDFzoom, 2021, 30 Minuten

Immer mehr Menschen suchen Hilfe wegen psychischer Probleme. Doch oft müssen sie lange auf eine Therapie warten. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz lag 2018 bei rund 20 Wochen.
 
Durch die Pandemie gibt es noch mehr Anfragen in psychotherapeutischen Praxen. Doch es fehlen Psychotherapeuten mit Kassensitz, klagen Interessensvertreter. ZDFzoom fragt: Wieso müssen Betroffene so lange warten?
 
Psychische Störungen sind verbreitet: Jedes Jahr sind rund 28 Prozent der Erwachsenen betroffen. Die häufigsten Krankheitsbilder sind Angststörungen, affektive Störungen wie Depression und Störungen durch Alkohol- und Medikamentenkonsum. Schon vor der Pandemie waren in Deutschland psychische Störungen der zweithäufigste Grund für Fehltage. 2019 verursachten sie durch Produktionsausfall volkswirtschaftliche Kosten von 14,4 Milliarden Euro. Mit knapp 42 Prozent waren sie 2019 Hauptgrund für Erwerbsminderungsrenten.
 
Lange Wartezeiten auf Psychotherapie sind seit Jahren ein Problem: 2017 ist mit einer Reform der Psychotherapie-Richtlinie unter anderem festgelegt worden, dass Psychotherapeuten Sprechstunden sowie Akutbehandlungen anbieten müssen, um den Zugang für Betroffene zu verbessern. Beides wird rege angenommen. Doch nach den Sprechstunden hätten viele Psychotherapeuten keinen anschließenden Therapieplatz, so die Bundespsychotherapeutenkammer. Für Patienten beginnt dann nicht selten eine lange und kräftezehrende Suche. Genau das hat Sarah (Name von der Redaktion geändert) erlebt: Sie steht mitten im Leben, als sie nach einem Unfall an einer Angststörung erkrankt. Die Angst überfällt sie in alltäglichen Situationen, sie wird häufiger krankgeschrieben. Rund 30 Psychotherapeuten mit Kassensitz hat sie abtelefoniert, wie sie sagt, aber niemand hatte einen Therapieplatz in naher Zukunft frei. Wartezeit: sechs Monate bis zwölf Monate.
 
Die Rahmenbedingungen für die Anzahl und räumliche Verteilung von Vertragsärzten und Psychotherapeuten werden vom Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit einer Richtlinie festgelegt, die dann auf Landesebene umgesetzt wird. Der G-BA ist das wichtigste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. 2018 wurde der Bedarf an Ärzten und Psychotherapeuten in einem vom G-BA beauftragten Gutachten ermittelt. Die Empfehlung: Bis zu 2400 zusätzliche Kassensitze für Psychotherapeuten. Ein Jahr später entstanden aber nur 776 neue Kassensitze.

ZDFzoom Autorin Franziska Wielandt hat mit Betroffenen und Verantwortlichen gesprochen.
 
 „ZDFzoom: Psyche in Not - Das lange Warten auf Therapie "am Mitwoch, den 07. April 2021, um 22:45 Uhr im ZDF

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