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65 Jahre BRAVO – Liebe, Stars und Doktor Sommer

ZDFinfo, 2021, 45 Minuten

Für Millionen Jugendliche war die „Bravo“ feste Instanz des Erwachsenwerdens: Fankult, Aufklärung und die erste Liebe. 65 Jahre lang beeinflusst die Jugendzeitschrift ganze Generationen.

Als sie 1956 erscheint, ahnt niemand, wie sehr sie die sexuelle Revolution und gesellschaftliche Veränderungen befeuern wird. ZDFinfo zeichnet die Geschichte des Jugendblatts nach, das nach vielen Jahren Kult-Status mittlerweile ums Überleben kämpft.

„Bravo“ verkauft jahrzehntelang mehr Hefte als jedes andere Magazin und erreicht in ihrer Zielgruppe der zwischen 10- und 15-Jährigen quasi 100 Prozent. Für viele Eltern gefürchteter Schund, in der DDR gar verboten – doch für Teenies in Ost und West ein unersetzlicher Wegbereiter. Welche Bedeutung hatte die „Bravo“ wirklich, mit welchen Tricks hat sie die Leserschaft an sich gebunden und war sie tatsächlich so revolutionär? Ehemalige „Bravo“-Fans und Promis wie Uschi Glas, Wolfgang Niedecken (BAP), Enie van de Meiklokjes oder Jessica und Nadja von den No Angels erinnern sich an ihre Zeit als „Bravo“-Leser und „Bravo“-Stars und daran, wie sich das Jugendmagazin im konservativen Nachkriegsdeutschland von der Film- und Fernsehprogrammzeitschrift über den Fokus auf die Stars des Rock´n´Roll und der Beatmusik in die Köpfe und Herzen der jungen Leserschaft spielt. Wie die „Bravo“ kontroverse Bands wie die Rolling Stones schon mal zu netten Schwiegersöhnen ummünzt, um sie schließlich auf Exklusivtournee nach Deutschland zu holen, welchen Einfluss das Jugendmagazin auf die Musikbranche hat und wie geschmuggelte „Bravo“-Poster in der DDR harte Währung auf dem Schulhof waren.

Durch gezielte Marketingstrategien wie Starschnitte, Foto-Love-Stories und vor allem Dr. Sommer und Co. entwickelt sich die „Bravo“ für die Jugendlichen nicht nur zum Exklusivkontakt zu den Promis, sondern zum zentralen Aufklärungsratgeber. Auch wenn die „Bravo“ stets unpolitisch war und selbst bei der Elterngeneration nicht anecken wollte, bleibt sie bis zur Jahrtausendwende das Zentralorgan der deutschen Jugend. Nach der Wiedervereinigung ist die Redaktion entscheidend an der Schaffung eines der ersten gesamtdeutschen Pop-Phänomene beteiligt: Die Band „Tokio Hotel“ verdankt ihren Erfolg zu einem großen Teil der Förderung durch die Zeitschrift. Und die erfolgreichste deutsche Girlband „No Angels“ wird von der „Bravo“ ganz essentiell in ihrer Karriere unterstützt. Doch im Zeitalter von Instagram, Spotify, YouTube und Co. kann die Jugendzeitschrift heute nicht mehr Schritt halten.

65 Jahre „Bravo“ — Liebe, Stars und Dr. Sommer erzählt bildgewaltig und mit den prägendsten Beats der letzten Jahrzehnte die Geschichte Deutschlands wichtigster Jugendzeitschrift und ihre Bedeutung für das Erwachsenwerden unseres Landes, egal ob West oder Ost. Wie eine Pop-Postille Deutschland dabei hilft, der moderne, aufgeklärte, liberale Staat zu werden, in dem wir heute leben.

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